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Aargauer Firma macht Fensterbohrern das Leben schwer – Polizei ist skeptisch

Aargauer Firma macht Fensterbohrern das Leben schwer – Polizei ist skeptisch
4. März 2017 Martin Scherrer

Anmerkungen zum folgenden Artikel:

  • Im Artikel wird das Fensterbohren bagatellisiert, da es seit der letzten Einbruchserie schon lange her sei. Kurz nach Erscheinen dieses Artikels muss die Aargauer Polizei eine Warnung veröffentlichen aufgrund einer neuen Einbruchserie durch Fensterbohrer in Muhen.
  • Herr Mohn von der Kantonspolizei Aargau empfiehlt den abschliessbaren Fenstergriff. Gleichzeitig räumt er im persönlichen Gespräch ein: „Ein Drittel der Kunden die ich berate, wissen überhaupt nicht, wie sie mit einem abschliessbaren Griff umgehen sollen. Wenn Kunden bezüglich der Schliesskonsequenz an sich selbst zweifeln, wird auf den Griff mit Drücker hingewiesen.“ Gemäss Herr Mohn ist beim Griff mit Drücker kein erfolgreicher Fensterbohreinbruch bekannt. Dies ist leider nicht korrekt. Bezeichnenderweise war es nämlich ein Fensterbohreinbruch im aargauischen Berikon/Mutschellen, der Einbruchschutzexperte und Bohrblocker-Erfinder August Scherrer dazu motivierte, eine Lösung gegen dieses Problem zu entwickeln. Und bei diesem Einbruch öffnete der Fensterbohrer ausgerechnet einen eingerasteten Griff mit Druckknopf. Anschliessend räumte er das Haus aus, während dem Bewohner und Hund ahnungslos schliefen.

Mit dem Scherrer-Bohrblocker verspricht die Aargauer Fensterbauerin «Hauri AG» besseren Schutz gegen Einbrecher. Die Kantonspolizei Aargau will das neue Produkt nicht empfehlen.

Er treibt sein Unwesen gerne in der Nacht und sorgt bei der Bevölkerung für Angst und Schrecken: Der Fensterbohrer. Innert Sekunden dringt der Einbrecher durch das Fenster oder die Balkontüre ins Haus ein. Unbemerkt sucht er nach Wertsachen und schreckt auch nicht vor dem Schlafzimmer zurück. Im Aargau haben schon einige Fensterbohr-Einbrecher für Aufsehen gesorgt. Im Jahr 2008 verhaftete die Kantonspolizei einen 31-jährigen Albaner, der im Zeitraum von zwei Jahren für 700 Fensterbohr-Einbrüche im Mittelland verantwortlich war und Diebesgut im Wert von mehreren Millionen Franken erbeutete.

Jetzt sagt die Aargauer Firma «Hauri AG» den Fensterbohrern den Kampf an. Sie lässt als erste Fensterbauerin der Schweiz ihre Fenster standardmässig mit dem sogenannten Bohrblocker vom schweizerischen Startup «Scherrer System GmbH» ausrüsten. Der Bohrblocker ist eine Platte aus Manganstahl, die verhindert, dass Fenster im kritischen Bereich aufgebohrt und mit einem Werkzeug von aussen geöffnet werden können.

Der Bohrblocker mit der Mangan-Legierung kann nicht durchbohrt werden.

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Kopfgeld auf Fensterbohrer
Die letzte Einbruchserie im Aargau, die auf das Konto der Fensterbohr-Einbrecher geht, liegt fast zwei Jahre zurück. Im Juni 2015 kam es im Suhrental zu 20 Einbrüchen mit der Fensterbohr-Methodik in nur einer Woche. Die Angelegenheit war der Kantonspolizei damals so wichtig, dass ein Kopfgeld auf den Einbrecher ausgesetzt wurde: Der Polizist, der den Übeltäter dingfest machen konnte, erhielt drei zusätzliche Ferientage.

Die Einbruchserie von 2015 war der Weckruf für die Hauri AG aus Staffelbach. «Unsere Kunden fragten nach einem Schutz. Wir haben uns auf dem Markt umgesehen und den Scherrer-Bohrblocker entdeckt», sagt Geschäftsführer Frank Hauri. Damit Kunden künftig vor Fensterbohr-Einbrecher sicher sind, erhält jedes Fenster im Erdgeschoss und alle Fenster unter einer Höhe von drei Metern den Bohrblocker – ohne Aufpreis, wie Hauri verspricht.

Ob es den Bohrblocker braucht, ist jedoch umstritten. Die Kantonspolizei rät der Bevölkerung, auf abschliessbare Fenster zu setzen. «Das ist die sinnvollere Lösung, weil ein Fenster mit einem Schloss gegen zwei Einbruchmethoden schützt: Erstens gegen den Fensterbohrer und zweitens gegen den Dieb, der das Fensterglas einschlägt», sagt Rolf Mohn, Spezialist für Einbrüche und Einbruchsprävention bei der Kantonspolizei Aargau. Der Mitentwickler des Bohrblockers, Martin Scherrer, widerspricht ihm: «Abschliessbare Fenstergriffe sind meist nutzlos, da kaum abgeschlossen wird. Der Bohrblocker wird einmal befestigt und bleibt immer aktiviert.»

Ohne Bohrblocker kann ein Fenster in Sekunden geöffnet werden.

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Abschliessbare Fenster sind günstiger
Fakt ist, dass der Bohrblocker nur den Fensterbohr-Einbrecher das Handwerk legt. Diese Einbruch-Methodik kommt selten vor. In diesem Jahr gab es im Aargau noch keinen einzigen Fall, 2016 waren es deren zehn. «Dass ein Dieb das Glas einschlägt oder das Fenster aushebelt, ist viel wahrscheinlicher», sagt Mohn. Scherrer lässt dieses Argument nicht gelten: «Sagen Sie einem Opfer einmal, dass es einfach Pech gehabt hat, weil Fensterbohr-Einbrüche seltener auftreten als andere. Statistiken sind hier fehl am Platz. Wir verzichten auch nicht auf den Airbag, nur weil er selten zum Einsatz kommt.» Er gibt weiter zu bedenken, dass die Fensterbohr-Methodik für die Opfer besonders traumatisch ist und ein guter Schutz deswegen zwingend notwendig sei.

Einbruchs-Spezialist Mohn will den Bohrblocker nicht grundsätzlich schlechtreden. «Er ist einfach nicht sonderlich effektiv, weil er nur gegen den Fensterbohrer schützt und nicht gegen andere Einbrecher.» Im Handel ist der Scherrer-Bohrblocker für 94.90 Franken erhältlich. Abschliessbare Fenstergriffe sind deutlich günstiger zu erwerben. Man muss also nicht viel Geld ausgeben, um in der Nacht ruhig schlafen zu können.

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